Georg Friedrich HändelGeorg Friedrich Händel

John DrydenJohn Dryden

Das Alexander-Fest oder
Die Macht der Musik

Text: John Dryden
Musik: Georg Friedrich Händel

Zu Ehren des Cäcilientages, der in der Barockzeit in England ein wichtiger Festtag war, schrieb Händel 1736 „Alexander’s Feast“ – „Das Alexander-Fest oder Die Macht der Musik“. Immer an ihrem Namenstag am 22. November wurde der Heiligen Cäcilie, der Schutzpatronin der Musik, mit eigens komponierten Werken gehuldigt.  Händel vertonte dafür mit John Drydens Dichtung „Alexander’s Feast“ einen der bedeutendsten Texte jener Zeit.  Diese Ode bot ihm den Stoff für die Darstellung großer Dramatik, Gefühlstiefe und Leidenschaft.

Anders als in Oper oder Oratorium gibt es hier keine Rollen. Die Solisten – Sopran, Tenor und Bass – berichten abwechselnd über das Fest, mit dem Alexander der Große den Sieg über Persien an der Seite seiner Geliebten Thais mit seinem Gefolge feiert  -  und sich feiern lässt. Und sie berichten , wie der Sänger Timotheus die Gäste unterhält: Er singt von Zeus und Olympia, lässt Bacchus und die Trinklust hochleben und holt schließlich Alexander, den Halbgott, vom hohen Ross des überheblichen Siegers, indem er an das elende, einsame Sterben seines Feindes Darius erinnert.  Der Chor bekräftigt stets die Erzählung, und unterstreicht die menschlichen Affekte, die die Musik hervorbringt: Freude, Erhabenheit, Stolz, Mitleid, Liebe. Als Alexander „von Wein und Liebe übermannt“ in Thais‘ Armen schläft, weckt ihn Timotheus unter donnernder Mithilfe von Pauken und Blechbläsern sowie des Chores und fordert ihn auf, in einem neuen Feldzug die unbestatteten griechischen Gefallenen zu rächen. Thais soll den Feldzug anführen und der Stadt Persepolis - wie einst Helena für Troja - den Untergang bringen.

Mit dem Aufbruch in die Schlacht endet die Schilderung des Festes, und die heilige Cäcilie, welche die Sangeskunst zur Vollendung führte, tritt unvermittelt auf den Plan. Ihre himmlische  Tonkunst übertrifft die heidnische Musik des Timotheus. Doch beide teilen sich die Krone der Musik und feiern gemeinsam deren Macht.

Händels Komposition ist ein Juwel der Barockmusik. Für die unterschiedlichen Emotionen, die John Drydens Ode hervorruft,  findet er eine klangliche Farbenpracht sondergleichen.  Chöre, Arien und Orchesterbegleitung punkten mit ideenreichen melodischen und rhythmischen Mustern: von tänzerisch über getragen bis pompös. Die Instrumentation ist selbst für Händels Verhältnisse außergewöhnlich: Neben der üblichen Streicherbesetzung spielen FIöten, Oboen, Fagotte, Hörner, Trompete und Cembalo.