PRESSE: Weihnachtsoratorium, Teil I – VI

GEA LogoKonzert - Weihnachtsoratorium mit dem Philharmonia Chor und der Sinfonietta Tübingen unter Martin Künstner. In der Christuskirche erklangen alle sechs Teile am Stück

Im Ton großer Freude
(08. Dezember 2008)

REUTLINGEN. Bach am Stück und ohne größere Pause: In der Christuskirche erklangen alle sechs Teile des Weihnachtsoratoriums in gut zweieinviertel Stunden. Das geht nicht ohne Kürzungen. Martin Künstner, der energische, stramme Tempi liebende und auch auf die verinnerlichenden Momente eingehende Leiter dieser Aufführung, hat sie vorsichtig vorgenommen. Es entstand nie der Eindruck einer harschen Unterbrechung.

Selbst der für Bachs Theologie des Kreuzes so bezeichnende Choral »Wie soll ich dich empfangen« blieb unangetastet. Er steht vor allem dafür, dass dieses Oratorium eben kein erbauendes Musikstück ist, sondern eine eindringliche Verkündigung und ein Dokument des Glaubens. Dieser Choral gleich im ersten Teil wurde weich und rund in einen atmenden Klang hineingenommen. Wurde überlegt bis in die Dynamik hinein ausgesungen. Schlicht und reich zugleich und leuchtend aus sich selbst.

Strahlende Choräle
Die anderen Choräle sang der Philharmonia Chor Reutlingen strahlend voll bis hin zu einer vitalen Freude - oder andererseits mehr im Bereich der »mezza voce«. Stufungen und Übergänge in der Lautstärke verdeutlichten Inhalt und heilsgeschichtliche Perspektive, sodass jeder einzelne Choral seine besondere Gestalt erhielt. Für eine pauschale Darstellung war kein Platz. Ganz aus dem Piano heraus, legatofähig, andächtig und rein erklang der vorletzte Choral »Ich steht an deiner Krippen hier«. Der Chor schwebte hier von Ton zu Ton und machte sein sonst so imponierendes Potenzial ganz leicht und sanft.   <<weiter lesen>>