PRESSE: stefan gwildis & band

GEA LogoOpen Air - Entertainer, Spaßvogel, betörender Soulsänger: Stefan Gwildis begeistert sein Publikum am Sonntag restlos

Lasst es uns kuschlig machen
(24. Juli 2007)

Von Joachim Baier

REUTLINGEN. Der Auftritt hat was: Unkenntlich unter einem schwarzen Tuch verborgen, stocksteif auf einer Sackkarre stehend lässt sich Stefan Gwildis von zwei Roadies auf die Bühne bugsieren und beinahe wäre das Gespann von der Rampe geplumpst. Dem Publikum stockt der Atem, aber es geht gut, und bevor er überhaupt einen Ton gesungen hat, gibt es den ersten Beifall für die witzige Showeinlage.

Enthüllt wie ein Denkmal, steht er zu Beginn ganz allein vor dem Mikrofon und imitiert zur Melodie des Klassikers »Ain't no sunshine« Kontrabass und Schlagzeug. Dann stürmt auch die Band auf die Bühne. Aber bevor es richtig losgeht, blickt Gwildis auf die halb leeren Ränge - nur rund 600 Zuhörer sind gekommen - und fordert das Publikum auf, »wenn ihr näher kommen wollt, seid ihr herzlich eingeladen. Lasst es uns schön kuschlig machen - aber dass mir keiner über den Rasen geht«.

Die Nähe zu den Fans
Überhaupt sucht der Hamburger stets die Nähe zu seinen Fans. Immer wieder steigt er hinunter in die Zuschauerreihen, blödelt, lacht, greift sich spontan eine Kamera, um sich mit einem Zuhörer zu fotografieren, fragt nach Namen und tut dann allen kund: »Das ist der Hermann aus Pfullingen«. Gwildis, gelernter Stuntman und auch schon in einer Tatort-Nebenrolle im Fernsehen zu sehen, verströmt so viel Sympathie und Witz, dass es locker zu einem Kleinkunstpreis reichen müsste.

Aber nicht nur als Spaßvogel erobert der 48-Jährige die Herzen seiner Zuhörer am Sonntag im Kreuzeichestadion im Sturm. Er hat Charisma, Charme und eine Stimme, dass einem glatt schwindlig werden könnte. Gwildis hat sich den Soulklassikern aus den 60er- und 70er-Jahren verschrieben. Seine Coversongs, die er mit deutschen Texten versehen hat, ob von Marvin Gaye, Otis Redding oder Bill Withers klingen authentisch und absolut überzeugend. Höhepunkte des Konzertes sind seine Versionen von »You can ceep your hat on« von Joe Cocker und »Me and Misses Jones« von Billy Paul.

Auf seiner neuesten Studio-CD »Heut ist der Tag« hat der Künstler das Schwergewicht auf eigene Songs gelegt, und davon gibt er mit »Amelie«, »Schöner« oder »Irgendwas geht immer« überzeugende Kostproben. Auch seinen größten Hit »So süß« hat er dem Publikum nicht vorenthalten.

Total ausgepowert lässt sich Gwildis von Sanitätern nach zwei Stunden seines fulminanten Konzertes auf eine Krankenliege schnallen und in die Katakomben des Stadions fahren. Aber das ist keineswegs das Ende; vom begeisterten Beifall wieder hervorgelockt stimmt er »Nur in meinen Gedanken« an. Die Meisten singen mit. Auch als die Band längst aufgehört hat zu spielen klingt der Temptations-Klassiker ganz zart und sehr beseelt durchs Stadionrund. »Es ist schön bei euch«, meint Gwildis anerkennend. Ja, das glauben alle gerne.

Ein Mann mit Feuer: Stefan Gwildis mit seiner Band beim »Reutlinger Open Air« im Kreuzeichestadion. Im Vorprogramm hatten Grachmusikoff ihren besonderen oberschwäbischen Charme spielen lassen und mit Rockmusik gepunktet.